Vokabeln „richtig“ lernen
Um langfristig abgespeichert zu werden, also in Langzeitgedächtnis zu gelangen,
muss neuer Lernstoff – also auch die Vokabeln einer Fremdsprache – verschiedene
Eingangsstufen überwinden: die Schwelle zu sensorischen Gedächtnis, dann vom
Kurz- ins Langzeitgedächtnis.
Zudem wurde in den vergangenen Jahren deutlich, dass einige Kinder – bestimmt
auch durch die Fremdartigkeit der zu erlernenden Fremdsprache – erhebliche
Probleme haben, sich Vokabeln auf herkömmliche Wege wirksam einzuprägen. Aus
diesem Grund behält man Vokabeln dann am besten, wenn man möglichst viele
Lernwege nutzt.
Hier einige Möglichkeiten am Beispiel mercator
Man kann
- mercator in ein Vokabelheft schreiben,
- mercator laut sprechen und dabei an einen Händler an seinem Marktstand denken,
- eine Skizze eines Händlers anfertigen und mercator darunter schreiben,
- dir einen Händler vor deinem inneren Auge vorstellen und dabei mercator laut vorsprechen,
- einen mercator pantomimisch darstellen.
Die Vokabelkartei als Baukastensystem
Eine der besten Methoden, um Vokabeln zu lernen und immer wieder zu wiederholen,
ist die Arbeit mit einer Vokabelkartei. Eine Vokabelkartei ist zwar nicht so
mobil wie ein Vokabelheft, dafür aber viel flexibler in ihrer Nutzung.
Aufgrund sehr guter Erfahrungen hat die Fachschaft Latein des Moll-Gymnasiums
die Einführung des Lernens mit Karteikarten zu Beginn des 1. Lernjahres in das
Curriculum für das Fach Latein aufgenommen; die Karten werden bei dieser Methode
immer wieder nach einem festen Lernschema umgewälzt. Dabei werden auf
verschiedenfarbige DinA7-Karten die Vokabeln nach Wortart eingetragen:
- auf gelb Substantive
- auf weiß Verben
- auf orange auf Adverbien
- auf grün Konjunktionen, Präpositionen und Partikel
- auf blau Adjektive
- auf rosa Pronomina
Weitere wichtige Angaben zur Deklination bzw. Konjugation werden im Laufe des Lernprozesses hinzugefügt, so dass nach und nach ein komplettes System aller Wörter mit Besonderheiten und wichtigen Formen entsteht. Um auch hier verschiedenen Lernkanäle zu aktivieren, können bestimmte Sachverhalte durch kleine Zeichnungen veranschaulicht werden. Die dabei gegebene ständige Wiederholung der Vokabeln sorgt dafür, dass die Wörter fest im Gedächtnis verankert werden.
Die zwei Seiten einer Vokabelkarte
Eine Karteikarte hat zwei Seiten – gegenüber einem Vokabelheft ein Vorteil, den
man sich zunutze macht. Grundsätzlich wird für jede Vokabel eine Karteikarte
angelegt.
Auf der Vorderseite steht der Impuls für das, was der Lernende wissen muss –
also nur das Wort bzw. die Redewendung. Auf der Rückseite steht das, was als
Lernleistung erbracht werden soll: die deutsche Bedeutung(en); grammatische
Merkmale (Deklinations- bzw. Konjugationsklasse, Genetiv und Genus bei
Substantiven, Stammformen bei Verben, die drei Genera bei Adjektiven); mögliche
Besonderheiten; gegebenenfalls auch feste Wendungen, in denen das Wort vorkommt.
Nach dem Beschriften der Karteikarten beginnt das eigentliche Vokabellernen:
Zuerst sollte man für die nötige äußere und innere Ruhe sorgen. Dann bildet man
aus den Kärtchen Stapel mit jeweils sechs bis sieben Vokabeln. Nun lernt man
Stapel für Stapel, wobei man das Vokabellernen möglichst über den ganzen
Nachmittag verteilen sollte. Dabei liest man das lateinische Wort auf der
Vorderseite und die Antwort(en) auf der Rückseite mehrmals, etwa drei bis fünf
Mal, laut: Latein war nicht nur eine Schrift-, sondern auch eine gesprochene
Sprache. Nach jedem Stapel sollte man sich aus lernpsychologischer Sicht etwa 20
Minuten mit anderen Dingen beschäftigen: eine Pause machen, etwas zeichnen, eine
mathematische Aufgaben lösen – aber auf keinen Fall Vokabeln einer anderen
Fremdsprache lernen. Diese Zeitspanne von 20 Minuten aber ist nötig, dass das
Gehirn die aufgenommenen Informationen verarbeiten kann. Nach einer
Wiederholungsphase werden die neuen Karteikarten in das erste
Fach der Vokabelkartei einsortiert.
Das Aufteilen von Vokabeln in Sechsergruppen bietet einen wichtigen Vorteil:
wenn man eine Reihe von Wörtern auswendig lernt, bleibt das erste und letzte
Wort der Reihe besonders gut im Gedächtnis haften – der so genannte
Reiheneffekt.
Das Lernschema mit der 5-Fächer-Kartei
Damit die Vokabeln nicht wieder aus dem Gedächtnis gelöscht werden, empfiehlt
sich eines: Geduld und tägliches Wiederholen: das heißt, dass man Vokabeln
wiederholen sollte, auch wenn sie nicht aufgegeben sind; dabei sind dreimal fünf
Minuten fünfmal in der Woche effektiver als einmal 30 Minuten.
Man beginnt stets mit den Karteikarten aus dem ersten Fach: man liest das
lateinische Wort auf der Vorderseite laut; anschließend überlegt man sich dann
die Antwort(en) auf der Rückseite. Nun dreht man die Karte und überprüft: Habe
ich die entsprechenden Angaben, die auf der Rückseite einer Vokabelkarte stehen,
gewusst? – Ja? Gut, dann stellt man die Karte in Fach 2. – Nein? Dann wiederholt
man die Karte gründlich und steckt sie als hinterste in Fach 1 zurück; da das
Fach 1 täglich bearbeitet wird, werden nicht gewusste Karteikarten bereits am
folgenden Tag wieder überprüft.
Etwa alle drei Tage nimmt man sich Fach 2 vor. Die Vokabeln, die man kennt,
wandern in Fach 3, die anderen landen wieder in Fach 1. Sobald eine größere
Gruppe von Karten in Fach 3 steckt (als Faustregel: etwa wöchentlich), überprüft
man sein Wissen. Die gewussten Vokabeln wandern in Fach 4, die anderen zurück in
Fach 1. Die Karten aus Fach 4 sollte man nach zwei Wochen, aus Fach 5 monatlich
nach dem beschriebenen Schema bearbeiten. Vokabeln, die bis zu Fach 5
vorgewandert sind und die letzte Überprüfung bestehen, kann man nun wirklich.
Nun sollte man sie aussortieren – nicht entsorgen, damit sie Platz für neue
Karten machen können.
Weitere Lerntipps
Trotz aller Bemühungen wird es immer wieder Wörter geben, die so gar nicht im Gedächtnis bleiben wollen – hierzu einige Tipps: Man kann
- diese Wörter auf Klebezettel oder große Schilder schreiben, die man überall dort aufhängen kann, wo man oft vorbei kommt – an Türrahmen, an den Computer-Monitor, an das Bücherregal, an den Badezimmerspiegel, vielleicht auch an den Kühlschrank,
- sich besonders Aussage kräftige Eselsbrücken bauen,
- Vokabeln ab und zu auch laut und schwungvoll singen,
- zusammen mit anderen spielen: Vokabel-Memory, Stadt-Land-Fluss, Brett vor dem Kopf, Hangman, u.ä.
Für welche der hier vorgestellten Methoden des Vokabellernens man sich entscheidet, hängt letztlich von der eigenen Persönlichkeit ab: Vor allem aber sollte das Erlernen und Wiederholen von Vokabeln Abwechslung bereiten und Spaß machen.
Literaturhinweise
- W. Helms: Vokabeln lernen – 100% behalten. Linz 2004
- M. Asmussen: Duden. Lernen lernen. Lerntipps. Mannheim 2001
- http://www.jolinchen.de/rd/2570.php

