Abschied vom beliebten Musiklehrer Gerhard Meyer

Schüler schenken Musikgenuss

Von unserem Mitarbeiter Christian Hoffmann

sommerkonzert 2013

Blitzendes Blech, klare Stimmen und heiße Streicher erklangen bei den beiden traditionellen Sommerkonzerten am Moll-Gymnasium im großen Musiksaal: zwei aufregende Stunden randvoll gepackt mit außergewöhnlichen Musikbeiträgen. Gleichzeitig galt es, auf Wiedersehen zu sagen, denn Lehrer Gerhard Meyer begibt sich am Ende des Schuljahres in den Ruhestand. "Ich habe viele Musicals geschrieben, die ich noch hier inszenieren möchte", bekräftigte Gerhard Meyer, seit 1977 am Moll-Gymnasium tätig, weiterhin der Schule die Treue zu halten.

Wie in jedem Jahr führten die Mädchen, Buben und jungen Erwachsenen ihr erlesenes Konzert an zwei Abenden auf. Der große Musiksaal war derart gut besucht, dass nicht wenige zuhörende Schüler in den Türen standen oder ganz ungezwungen auf dem Boden Platz nahmen - beim Sommerkonzert zeigt sich das Moll-Gymnasium als eingeschworene Gemeinschaft.

Das Orchester unter der Leitung von Lehrer Wolfram Sauer eröffnete mit dem Brautchor aus Richard Wagners "Lohengrin". Ein viel gespieltes, oft gehörtes Stück. Es schloss sich der Triumph-Marsch aus Verdis "Aida" an, ein regelrechter Heldengesang. Spirituell und von Geist beseelt erklang das Werk "Stabat Mater", zu Gehör gebracht vom Kinderchor. Das symphonische Blasorchester intonierte Filmmusiken von "Harry Potter" und aus "Indiana Jones" sowie aus dem "Königreich des Kristallschädels".

Musiker unter Zauberhüten

Bei dem Harry-Potter-Thema trugen die Musiker spitze Zaubererhüte, beim Indiana-Jones-Stück stilechte Fedora-Hüte - da fehlte nur noch die Peitsche von Archäologe Dr. Henry Jones. Ebenso wussten der große Chor ("Don't stop believin'"), das Symphonieorchester (Menuett aus der Haydn-Sinfonie "Die Uhr"), die Spielgruppe ("Irische Tänze"), der Kammerchor ("Il est bel et bon") und die Schüler-Combo ("Sentimental Journey") zu überzeugen. Anhaltender Beifall des sichtlich begeisterten Publikums war der Lohn.

Viele junge Talente besuchen das Moll-Gymnasium, eine musisch geprägte Bildungseinrichtung: Gemäß eines Rankings gehört das Mannheimer Moll-Gymnasium bundesweit zu den zehn besten Schulen mit Musikprofil. Auch Johanna Brandl, die soeben ihr Abitur abgelegt hat, möchte bald ein Gesangsstudium aufnehmen, am liebsten in Berlin oder Wien. Warum schreibt sie sich nicht an der Mannheimer Musikhochschule ein? "Ich möchte einfach weg", lachte die Sopranistin, lebenshungrig sehne sie sich danach, die weite Welt zu erkunden. Deswegen gönnt sich die 18-Jährige zuerst einen Urlaub in Frankreich.

Dass die Instrumente gut verkabelt sind und das Mischpult richtig eingestellt, dafür sorgte die frische Abiturientin Alena Quentin, die Leiterin der Tontechnik-AG. "Ich möchte jetzt ein freiwilliges soziales Jahr im Rettungsdienst machen und dann Medizin studieren", umriss Alena Quentin (18) ihre Pläne.

Um ein kleines Ständchen zum Abschied zu spielen, setzte sich der scheidende Lehrer Gerhard Meyer alleine an den schwarzen Flügel. Drei ehemalige Abiturienten stiegen jedoch unerwartet an Bass, Schlagzeug und Klarinette in die Improvisation ein.

Die wirkliche Überraschung gab es allerdings hinterher: Ohne Vorankündigung marschierten plötzlich zahlreiche Saxofonisten in den Saal, allesamt ehemalige Moll-Absolventen der Jahrgänge 1985 bis heute, um dem geschätzten Lehrer Gerhard Meyer einige Stücke wie "Take the A-Train" mit in den Ruhestand zu geben. So viele funkelnde Saxofone auf einer Bühne, ein kraftvoller Wohlklang blies das Publikum regelrecht um, mit einer Stimmung im Saal wie bei der Meisterschaft in einer Fußball-Fankurve.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 10.07.2013

 

   
   
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