NECKARAU: Schüler am Moll-Gymnasium führen „Götterolympiade“ auf/Publikum dankt für himmlisches Vergnügen mit Beifall

Auch nicht besser als Menschen

Von unserer Mitarbeiterin Astrid Madermusical 2012

Was kann man nur tun, wenn die Kinder sich ständig streiten, weil sie sich gar zu individualistisch verhalten? Und was, wenn selbige Kinder alle Götter sind? Der antike Philosoph Xenophanes fand, dass solche Götter keinen Anspruch auf ihren Titel hätten, da sie menschliche Züge besäßen und außerdem amoralisch wären. Also warf er die "Sogenannten" aus dem Götterhimmel hinaus und begründete den philosophischen Monotheismus.

Anders das Musical "Die Götterolympiade" von Cäcilia und Johannes Overbeck. In der vergnüglichen Aufführung der Musikzugklasse 7c des Moll-Gymnasiums begegneten Göttervater Zeus und Göttermutter Hera in antikem Gewand und barocken Ringellöckchen und spielten den gutmütigen Pantoffelhelden (Anna Triebskorn) und die temperamentvolle Dramaqueen (Luise Block).

Theatralisch forderte Hera ihren Göttergatten auf, sich etwas gegen die Eigenwilligkeit ihrer Kinder einfallen zu lassen, da diese ihr permanent Migräne bereiteten. Zeus verkündet daraufhin einen Wettstreit der Tugenden, in dem sich seine Kinder bewähren sollten. Lustvoll ließ Ares (Elias Schaut) seine tattoodekorierten Muskeln krachen, auf dass alle Menschen von ihm den Kampfgeist annähmen. Die "eingebildete Kröte" Aphrodite (Olimpia Musielak) brachte den Menschen dagegen mit unverdorben koketter Bühnenpräsenz und Beautycase die Kunstgriffe einer geschniegelten Zuckerpuppe bei.

Sachlich, intellektuell und vor allem sehr gediegen im Auftreten beriet Athene (Franka Goldschmitt) Madame Curie und warf den weniger Gelehrten skeptische Blicke über den Brillenrand zu. Dionysos (Alicia Müller) torkelte nach dem Motto "Dabeisein ist alles" mit trunkenem Frohsinn über die Bühne und brachte den Menschen das Feiern bei. Apoll (Anna Preiß) begeisterte mit Tanzeinlagen in lupenreiner Choreografie, ohne seine Musen dabei zu kurz kommen zu lassen.

Schließlich erstattete Hermes (Céline Reinfelder) den Göttereltern im Sprechgesang Rapport über die Entwicklung der Menschen unter dem Einfluss des jeweiligen "Kindes". Der Antike Chor echote die Tragik in den Olymp hinein, was den Himmlischen die Entscheidung über den Gewinner nicht einfacher machte. Zum Glück fällten nicht die Götter, sondern die Menschen die Entscheidung, da sie sich in Abwesenheit der Götter so benahmen, als seien alle mitten unter ihnen.

Und die Moral von der Geschicht´? Man vergesse keine Tugend nicht. Die Band "Olymp" unterstützte diesen Erkenntnisprozess mit flotten Rhythmen, ein Filmteam der Klasse 10a sorgte mit einem synchron ablaufenden Videoclip für aktuelle Bezüge, und alle Fäden der Regie und der musikalischen Leitung liefen in den Händen von Jürgen Karl zusammen. Die beherzte, unver-braucht-komischen Darbietung der Schüler entlockte dem Publikum einen himmelstürmenden Applaus.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 26.10.2012

   
   
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