Ein Fest mit Rossini

Von unserem Redaktionsmitglied Stefan Koch

Was für eine Mühe - und was für ein schönes Ergebnis! Das Mannheimer Moll-Gymnasium hatte mal wieder alle Kräfte gebündelt, um mit Gioacchino Rossinis "Messe solennelle" ein Werk einzustudieren, dessen Dimensionen weitaus größer sind, als es das im Titel erhaltene Beiwort "Petite" - klein - nahelegt. Der Mittel- und Oberstufenchor probte unter Jürgen Karl und Jörg Wetzel seit Weihnachten, und, wie es sich in der Johanniskirche auf dem Lindenhof zeigte, mit großem Erfolg.

Bemerkenswert, wie flexibel und konzentriert das Vokalensemble Jürgen Karls klarem, auf Deutlichkeit und dynamische Differenzierungen bedachtem Dirigat folgte, wie die ausladenden, sich an der alten polyphonen Manier orientierenden Chorsätze Durchsichtigkeit und klangliche Homogenität erhielten. Sicher, die Stimmen sind jung, das Chortimbre hat noch nicht die Tiefe und den Kern, wie ihn "reifere" Singgemeinschaften bisweilen besitzen, aber in der Höhe strahlten die Soprane dann doch hell, die Mittelstimmen zeigten sich selbstbewusst, und das vielleicht ein wenig zu schwach besetzte Bassfundament gab den Sätzen eine fein ziselierte Stütze.

So gewann ein Werk glückhaft Gestalt, in dem sich der opernhafte Gestus der Arien mit dem lichten, geschmeidigen Satz der Chöre zu einem fast schon charmant zu nennenden, mediterranen Glaubensbekenntnis mischt. Anteil daran hatte eine vorzüglich zusammengestellte junge Solistenequipe, die zum Teil selbst einmal am Moll die Schulbank drückte. Christiane Kirschs Sopran klingt in der Höhe manchmal etwas verengt, aber die Stimme wird sehr beweglich und farbenreich geführt, was auch auf Anne Greilings schon sehr ausgereiften, in allen Lagen klangschön und voluminös konturierten Alt zutrifft.

Bernd Wunderle meisterte seine horrend schwere Tenor-Arie "Domine deus" mit staunenswertem Mut und stimmlicher Verve, und Sebastian Geyers Baß hat die notwendige Fülle, um auch in den Solistenensembles für eine markige Grundlage zu sorgen. Am Flügel begleitete Thomas Jandl perfekt, sein solistisches "Preludio religioso" war ein kleiner Edelstein. Liv Knecht steuerte sicher und präzise den Harmonium-Part bei.

Große Begeisterung im fast voll besetzten Kirchenraum, Blumen für Solisten und Dirigent, "standing ovation", kurzum ein Fest!

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