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Die menschliche Stimme als Wunder der Variation

Jordanischer Mädchenchor und großer Chor des Moll-Gymnasiums in der Johanniskirche

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Kaulich

Weiße Hosen, weiße Shirts und weiße Socken sowie violette, blaue, gelbe und pink­farbene Tücher, mit denen die Mädchen eine Menge anstellten: Mal wanderten sie von Schulter zu Schulter, mal wurden sie locker um den Kopf gelegt, dann wieder neckisch um die Hüften geschlagen. Genauso variantenreich wie mit Tuch und Choreografie gingen die jungen Damen mit ihren Stimmen um: 35 Chormädchen der Ahliyyah Schule aus dem jordanischen Amman präsentierten unter ihrer Leiterin Samia Abu Khader Ghanoum in der Johanniskirche zusammen mit dem Großen Chor des Moll-Gymnasiums einen musikali­schen Abend, der Orient und Okzident in unnachahmlicher Weise miteinander verband und die Zuschauer zugleich anrührte wie begeisterte.

So blieb das Motto „Dialog der Kulturen”, unter dem die zehntägige Konzertreise des arabischen Mädchenchores stand, keinesfalls kulturpolitische Floskel. Auf Initiative von Helmut Burkhard, einem ehemaligen Karlsruher Musiklehrer, der sein Wissen auch in Kairo und Amman an arabische Kollegen weitergab, besucht der jordanische Schulchor einer christlichen Mädchenschule mit überwiegend moslemischen Schülerinnen derzeit - finanziell unterstützt von der Kulturabteilung des Aus­wärtigen Amtes, des Deutschen Musikrates und des Goethe-Instituts - drei Gymnasien in Karlsruhe, Bruchsal und Mannheim.

Den Dialog gibt's dabei auch im Alltag. Die Gäste sind während ihres dreitägigen Aufenthalts in der Quadratestadt bei Moll-Schüler-Familien untergebracht, das ge­meinsame Freizeit- und Kulturprogramm füllt den europäisch-arabischen Kulturaustausch mit prallem Leben. Auf den ersten Blick unterscheiden sich die arabischen Jugendlichen überhaupt nicht von ihren deutschen Altersgenossen – vor allem wenn sie Orient-Pop zum Besten geben. Doch mit welcher Inbrunst und Authentizität die Mädchen, zum großen Teil palästinensi­scher Abstammung, ihre melancholischen Lieder von der Westbank darbieten, erfasst man auch, ohne den arabischen Text zu verstehen. "Prayer of hope" etwa erzählt von militärischer Besetzung und Entwei­hung christlicher wie moslemischer Gotteshäuser. Burkhard schilderte die ergreifenden Momente beim Erklingen gerade dieses Volkslieds in der Speyrer Domkrypta. Die unglaublich suggestiven Sängerinnen packten aber das Publikum mit ihren orientalisch-arabischen Liebes- und Volksliedern auch mühelos in der Johanniskirche.

Dass Musik tatsächlich verbindet, bewies einmal mehr das gemeinsam bestrittene Programm: Moll-Musiklehrer Bernhard Klein hatte am Vormittag in Windeseile mit den arabischen Goldkehlen den deutschen Liebeswalzer „Am Donaustrande” von Johannes Brahms einstudiert, und der Mollchor wiederum leistete Erstaunliches unter Komponistin Shireen Abu-Khader, die ihm arabische Weisen im komplizierten Zehnachteltakt entlockte.

Zuvor schon hatte die sympathische Musikerin ein orientalisch angehauchtes „Yesterday"-Solo improvisiert. Symbolisch und eindrücklicher als jede politische Sonntagsrede geriet das Finale mit dem besinnlichen „I have a Vision”, bei dem sich die Jordanierin Maha Al-Saldi und der Mollaner Stephen Shareski den Solopart teilten. In den mitreißenden Warren Casey-Hit „We go together” stimmte dann auch das Publikum beschwingt ein.

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