Der schönste, reichste, beste und wahrste Roman, den ich je gelesen habe, ist die Geschichte. (Jean Paul)

„Geschichte??? Da geht es doch um schon lange verstorbene Männer, die irgendwelche Dinge getan haben, die heute niemanden mehr interessieren, oder? Und die ganzen Jahreszahlen, oje, die kann ich mir sowieso nicht merken…“ Solche Aussagen vernimmt man immer wieder, wenn es um das Fach Geschichte geht, gerne verbunden mit einem leichten Augenrollen. Und in der Tat scheint die Begeisterung für Vergangenes einem latenten Rechtfertigungsdruck zu unterliegen, erschließt sich doch der Nutzen für den Alltag nicht immer auf den ersten Blick. 

Bei genauerer Betrachtung offenbart sich jedoch der dieser Haltung zugrunde liegende Trugschluss, denn vieles, was unser heutiges Leben prägt, resultiert aus der Vergangenheit – im Großen wie im Kleinen, sodass Freundschaften und Konflikte zwischen Staaten ebenso ihren Ursprung in der Vergangenheit haben wie unsere ganz private Familiengeschichte. Ein Blick in die Tageszeitung wie auch unsere Familienalben zeugt von der heutigen Relevanz vergangener Ereignisse und Entscheidungen. Die Beschäftigung mit der Geschichte dient uns also auch zur Orientierung in der heutigen Zeit und zum Verständnis der Gegenwart. Dies kann die Neugier fördern, sich mit Fragen der Vergangenheit zu befassen, und den Wunsch entstehen lassen, historische Sachverhalte genauer zu untersuchen und diese aus historischer Sicht zu beurteilen oder aus heutiger Sicht zu bewerten. Um dies zu erreichen, eignen sich die Schülerinnen und Schüler verschiedene Fertigkeiten an, wie die Analyse einer Text- oder Bildquelle oder den Vergleich mehrere Quellen zu demselben Thema. Dem Alter und Erfahrungshorizont der Schülerinnen und Schüler entsprechend werden die fachlichen Kompetenzen von Jahr zu Jahr herausfordernder. Ähnlich verhält es sich mit den im Fach Geschichte untersuchten Themen: Während im Anfangsunterricht zum Beispiel die frühen Hochkulturen behandelt werden, nehmen die Themen ab Klasse 7 – ausgehend vom Mittelalter über die Renaissance bis hin zur Französischen Revolution – an Komplexität zu, sodass manche Schwerpunkte ab Klasse 8 abermals vertiefend in der Kursstufe untersucht werden. Dem erhöhten Leistungsvermögen der Schülerinnen und Schüler entsprechend werden politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Ereignisse und Entwicklungen im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts diskutiert und in Zusammenhang gestellt. Zwar bildet die deutsche Geschichte einen wichtigen Bezugspunkt des Unterrichts, doch wird der Blick verstärkt auf europäische und globale Zusammenhänge gelenkt. Die dadurch erzielte Weitung der eigenen Perspektive soll unsere Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zum mündigen Bürger unterstützen und verdeutlicht den wesentlichen Beitrag unseres Faches dabei.

Obwohl naturgemäß der Unterricht im Schulgebäude den weitaus größten Raum einnimmt, bietet die Lage und infrastrukturelle Ausstattung Mannheims zahlreiche Möglichkeiten des außerschulischen Lernens. Ob es die immer wieder angebotenen Ausstellungen über die Hochkulturen oder Themen des Mittelalters in den Reiss-Engelhorn-Museen oder dem Historischen Museum der Pfalz in Speyer sind, die Geschichte der Industrialisierung im Technoseum, die Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg, der für die Klassenstufe 9 vorgesehene Besuch der NS-Gedenkstätte Struthof-Natzweiler im Elsass sowie das Mannheimer Stadtarchiv Marchivum mit seinen sehenswerten Sonder- und Dauerausstellungen – all dies und zahlreiche weitere außerschulische Lernorte machen Geschichte (be-) greifbar und bereichern unseren Schulalltag. 

Selbstredend wird im Unterricht auf sich jährende historische Ereignisse oder aktuelle Entwicklungen in historischem Zusammenhang eingegangen. Ergänzende Informationen dazu können die Schülerinnen und Schüler zudem dem Infokasten im 1. Stock entnehmen, in dessen Nähe die Konterfeie der Staats- und Regierungsoberhäupter der Bundesrepublik Deutschland den Flur zieren. Zudem können die Klassen und Kurse anhand der unweit davon zu findenden Posterausstellung Informationen zum Fall der Berliner Mauer und zur Deutschen Einheit erhalten. Und wieder zeigt sich: Obwohl sich so manches Ereignis schon vor Jahren ereignete, spüren wir dessen Auswirkungen noch heute…

Michael Happes (Fachbetreuer Geschichte)

 

Moll-Gymnasium

Das im Süden der Stadt Mannheim gelegene Moll-Gymnasium ist eine mittelgroße Schule mit derzeit ca. 740 Schülerinnen und Schülern, die in 32 Klassen von 70 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet werden. Mehr erfahren

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