Am 03. Mai 2022 gegen neun Uhr machte sich die Klasse 10a auf den Weg in die Mannheimer Innenstadt. Anlass war eine besondere Veranstaltung.

Im Gemeindehaus der Synagoge waren Zeitzeugen aus verschiedenen Herkunftsländern zu Besuch, um uns und etwa fünf anderen Klassen verschiedener Schulen an einem "Erzähltag" über ihre Erfahrungen mit dem Leben in verschiedenen Diktaturen zu berichten. Ziel war es, uns bewusst zu machen, wie stark wir von unserem Rechts- und Regierungssystem profitieren und dass Demokratie keinesfalls selbstverständlich ist.

In Gruppen von etwa 20 Personen wurden wir in unterschiedliche Räume geführt, dort erwarteten uns meist schon die Zeitzeugen. Der Großteil unserer Klasse hörte die Erlebnisse von drei Personen, die aus Rumänien, dem Iran und der Ukraine stammen. Interessant war vor allem, wie die Betroffenen, teilweise schon als Kinder, hautnah erleben mussten, was Diktatur konkret bedeutet. Die Erzählungen überschnitten sich in bestimmten Merkmalen: Alle Zeitzeugen berichteten von staatlichen Einschüchterungsmethoden wie Willkür und der Unterdrückung von Minderheiten oder Kritikern, der Bestechlichkeit von Beamten, außerdem auch von Ausreiseverboten oder -einschränkungen, Propagandaverbreitung im Schulunterricht und der Missachtung von Grund- und Menschenrechten.

Besonders eindrücklich und verstörend war der Hinweis des Veranstalters Herrn Seelig, dass ein jüngerer syrischer Zeitzeuge im letzten Moment die Teilnahme am Erzähltag abgesagt hatte – offenbar aus Angst vor Repressalien für seine Familienmitglieder in Syrien und sich selbst. Alle Zeitzeugen waren sich einig, dankbar zu sein, in Deutschland in einer Demokratie leben zu können.

Die Veranstaltung war – zumindest unserer Auffassung nach – eine sinnvolle Ergänzung zum regulären Geschichtsunterricht und zur allgemeinen Demokratieerziehung an den Schulen. Wir konnten eindrücklich erfahren, wie die Politik die Schicksale einzelner Menschen, die mit uns in Mannheim leben, beeinflusst hat und wir bekamen einen anderen, persönlicheren Blickwinkel auf historische Ereignisse und (aktuelle) Fluchtbewegungen.

Text: Elisabeth Mossmann (10a) und Dr. Ruth Kersting

Moll-Gymnasium

Das im Süden der Stadt Mannheim gelegene Moll-Gymnasium ist eine mittelgroße Schule mit derzeit ca. 800 Schülerinnen und Schülern, die in 32 Klassen von 70 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet werden. Mehr erfahren

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